Zauberhaftes Lotusland

Windrose Finest Travel

Wenn man in Vietnam über eine stark befahrene Straße geht, kann man nur einen Fehler machen: Stehen bleiben! Damit rechnet niemand, darauf ist kein Vietnamese gefasst, diese Situation ist atypisch und das Chaos würde beginnen. Der Mopedverkehr, besonders in der Hauptstadt Hanoi und der Metropole Saigon, drängt sich über breite Straße, durch das Gassenlabyrinth der Altstadt, aber auch durch Marktzeilen in den Dörfern – immer im Fluss, hupend und quietschend.

Als ich vor über dreißig Jahren das erste Mal durch Hanoi spazierte, gab es nur wenige Fahrräder und einige Mopeds von Simson Suhl, W50-Lkw aus Ludwigsfelde und stinkende Laster aus der Sowjetunion. Bereits zehn Jahre später habe ich aber gelernt: wenn ich über die Straße gehen will, dann muss ich immer den Fahrern ins Gesicht schauen und, egal was passiert, kontinuierlich weiterlaufen. Niemals stehenbleiben – das ist der Takt des heutigen Víetnam.

Hanoi ist eine unterschätzte Schönheit unter den Städten Asiens. Aus meiner Sicht ist nur Yangon in Myanmar im Stadtzentrum so grün und schön, mit stattlichen Bäumen, die bereits den Vietnam-Krieg überdauert haben. Unvorstellbar, dass trotz eines schier unendlichen Bombenhagels diese Stadt überlebt hat, heute über Tausend Jahre alt ist und um den Schwertsee im kolonialen Zentrum so schön wie nie. Sicherlich ist diese Wertung subjektiv, aber diese Stadt ist so unvorstellbar lebendig, selbst dort, wo auf der Straße mit Särgen gehandelt wird.  

Spazieren, flanieren, dinieren – all das kann man als Einheimischer und Tourist mit Freude unternehmen. Erlebnisreich ist eine Fahrt mit dem Cyclo, einer Fahrradrikscha. Und wenn Sie für Freude und Aufsehen sorgen möchten, dann tauschen Sie den Sattel mit dem Rikschafahrer und befördern den kleinen und drahtigen Vietnamesen, für ihn völlig unerwartet, durch seine Hauptstadt.

Bereits vor Jahrzehnten war es üblich, sich in der Altstadt porträtieren zu lassen: Schwarzweißfoto übergeben und der Künstler hat porträtiert – das kleine „Kunstwerk“ hängt immer noch bei mir zu Hause an der Wand. Heute, in Zeiten von Selfies und Smartphones, gibt es das immer noch. Allerdings sind auch viele Fotografen unterwegs, die mit professioneller Ausrüstung den Augenblick für die Ewigkeit bannen. Überall am Seeufer ist zu beobachten, wie junge Paare Ihre Hochzeitalbens gestalten, schwitzende Bräutigame in spe tragen Ihre zukünftigen Bräute zu Tempelstufen und herum schwirrt eine Armada von Helfern, die dem Fotografen das Motiv „freiboxen“.  

Spazieren wir weiter; wo noch vor Jahrzenten die überfüllte Straßenbahn, damals schon in der „letzten Stufe der Verwesung“, sich vom See zur Markthalle schlängelt, fahren heute asiatische Touristen zum äußerlich neugestalteten „Konsumtempel“, der innen aber immer noch, vielleicht mit Ausnahme chinesischer Massenware, authentisch vietnamesisch ist.

Überall Touristen – nein, denn ich kenne seit Jahren die Ecken, die mir, meinen Freunden und den vietnamesischen Hauptstädtern gehören. Bia Hoi – Fassbier für 30 Cent – es gibt nicht Erfrischenderes zum Abend. Ohrenbetäubender Lärm – betrunkene Vietnamesen klagen sich gegenseitig Ihr Leid, werten den Ärger mit Frau und Chef aus – das geht anscheinend nur mit Brüllen. Mittendrin der dicke Deutsche, der sein Bier genießt, sich gekochte Erdnüsse in den Mund steck und gegrilltes Ziegenfleisch genießt – das ist Vietnam life.

Meine Freunde und ich sprechen über die Zeit, wo man als „Langnase“ noch aufgefallen ist, wo es noch keine Autos gab, Fahrräder einen wertvollen Besitz darstellten, den man mit ins Restaurant nahm, wo man in der Flugzeugkabine einer alten, von den Amerikanern „vergessenen“ Boeing 707, noch teilweise auf hölzernen Anglerhockern saß und Schweine und Hühner um einen herum befördert wurden. Vergangen – heute ist Vietnam der Tiger auf dem Sprung in Südostasen! Politisch pragmatisch, geschichtlich nicht nachtragend, neugierig, immer geschäftig – nicht nur die Jugend begegnet einem in dieser offenen Atmosphäre.  

Vor gut dreißig Jahren gab es nur eine Brücke über den Roten Fluss, nach jedem Bombenangriff neu „gepflickt“. Beim nächsten Besuch fuhren wir schon über eine mit sowjetischer Hilfe neu errichtete Brücke zum Flughafen (heute ist dies die Mopedspur), danach schon richtig auf ordentlichem Straßenbelag über die endlich fertiggestellte Brücke. Mittlerweile engagieren sich Australier und Japaner im Land und unterstützen die Vietnamesen beim Bau von teilweise gigantischen Brücken, wie Sie momentan vor allem im Mekongdelta errichtet werden – Golden Gate im grünen Delta. Heute dauert es trotz gestiegenem Verkehrsaufkommen eine halbe Stunde weniger, um vom Mausoleum, in dem noch immer „Onkel Ho“ aufgebahrt ist, zum Flughafen zu gelangen. Hier wurde innerhalb weniger Monate ein neues Riesenterminal errichtet und in Betrieb genommen, welches jedem Berliner beim Stichwort BBI noch mehr Tränen in die Augen treibt!

Ich war in den vergangenen Jahren jedes Jahr mindestens einmal in Vietnam, dem Land meiner Freunde und ehemaligen Kommilitonen. Ich habe erleben dürfen, wie sich ein vom Krieg gezeichnetes Land auf dem Weg zu einer modernen Gesellschaft entwickelt, mit unendlichem Fleiß, Geschäftssinn und Cleverness seiner Einwohner. Für vietnamesische Eltern ist es das Wichtigste, alles für die Bildung der eigenen Kinder zu tun. Dies spürt jeder Besucher, der mit offenen Augen durch das Land reist, jederzeit. Dabei möchte ich dieses Land weiter beobachten, es weiterhin bereisen und erleben, was ein wahrlich „Zauberhaftes Lotusland“ ist.

Wenn Sie das „im Kleinen“ nochmals spüren wollen, noch ein Tipp für Berlin: Im Dong Xuan Center in Lichtenberg sehen Sie vietnamesisches Markttreiben und riechen die Düfte von Pho Bo sowie gegrilltem Schweinebuch und Nudeln im Hue-Stil – mit all den Dingen auf den Restauranttischen, wie in Vietnam gesehen. Authentischer kann man Vietnam in Deutschland nicht erleben!  

Von Meinhard Hiller

Weitere Informationen

WINDROSE Finest Travel GmbH
Fasanenstraße 33
10719 Berlin
Telefon: +49 (0)30 – 20 17 21 0,
E-Mail: info@windrose.de
www.windrose.de