EAST ASIA TOURS

Unterwegs auf Borneo

Bei Orang Utans, auf Urwaldflüssen und im Langhaus der Kopfjäger

Als wir nach 10 erlebnisreichen Rundreisetagen in Sabah und im Mulu-Nationalpark zu unserem Weiterflug von Mulu nach Kuching starten, genießen wir einen sehr individuellen Service durch „MASwings“. Der Flugkapitän nimmt sich die Zeit, jeden Gast persönlich und mit ein paar freundlichen Worten zu begrüßen, bevor er im Cockpit der ATR 72 verschwindet. Eine Verspätung provoziert er damit nicht, denn wir sind nur 6 Passagiere an Bord…

Nach der Landung in der Hauptstadt Sarawaks werden wir herzlich von Reisleiterin Nikki und Fahrer Poh Heng empfangen und zum Hilton Kuching gebracht. Uns bleibt noch genügend Zeit für einen gemütlichen Bummel bei Tageslicht an der „Kuching Waterfront“, die Flaniermeile und beliebter Treffpunkt für Einwohner und Gäste Kuchings ist. Dann genießen wir einen perfekten Sonnenuntergang mit Blick auf den Sarawak-Fluss von unserem Hotelzimmer aus und machen uns auf den Weg zum „James Brooke Bistro & Cafe“, das nur wenige Schritte vom Hilton und vom Fluss entfernt ist. Auch wenn das „James Brooke“ zur gehobenen Preisklasse bei den örtlichen Restaurants gehören mag, sind die Speisen für europäische Verhältnisse doch ausgesprochen preiswert. Elke bekommt hier endlich eine Curry Laksa (kräftig gewürzte Nudelsuppe), über die sie voll des Lobes ist. Wir empfehlen diese Lokalität hiermit guten Gewissens für einen Sundowner mit Flussblick oder zum Abendessen weiter!

Tags darauf wollen wir uns mit eigener Muskelkraft per Kajak auf dem Oberlauf des Sarawak-Flusses (lokal bekannt als „Semadang River“) bewegen! Vorher folgen wir aber gern der Empfehlung von Reiseleiterin Nikki, auf dem Weg zum Ausgangspunkt der Kajaktour dem „Semenggoh Wildlife Centre“ einen Besuch abzustatten.

Bei den „Menschen des Waldes“

Das Zentrum für Orang Utans und andere Tiere Borneos wurde bereits 1975 im Semenggoh-Naturreservat, nur 24 Kilometer von Kuching entfernt, gegründet. Primäres Anliegen der Einrichtung ist es, aus Gefangenschaft befreite oder elternlose Tiere auf ihre Auswilderung und ein freies Leben im Dschungel vorzubereiten. Die Orang Utans hier leben halbwild und können sich frei im weitläufigen Dschungelareal und im Zentrum bewegen. Wenn sie hungrig sind, haben die Affen um 09.00 und 15.00 Uhr die Möglichkeit, sich an der Futterstelle blicken zu lassen. Darauf hoffen natürlich die Besucher, denn da das Zentrum kein Zoo oder Tierpark ist, gibt es keine Garantie dafür, die „Menschen des Waldes“ auch tatsächlich bei jedem Fütterungstermin zu sehen.

Wir haben heute Glück, denn als wir nach der Sicherheitseinweisung durch die Ranger des Zentrums über einen Dschungelpfad zur Aussichtsplattform an der Futterstelle kommen, müssen wir nicht lange warten und sehen schnell „unseren“ Orang Utan auf Borneo! Ein Muttertier mit seinem Baby und ein weiterer weiblicher Orang Utan konnten den Lockrufen der Ranger und dem Duft der Bananen nicht widerstehen. Sie genießen das Obst auf der Plattform und führen uns nebenher noch allerlei Kletterkunststücke an extra gespannten Seilen und an den Ästen der Urwaldriesen vor. Wir genießen diesen faszinierenden Anblick und sind dankbar, dass sich die anderen Besucher heute ebenfalls beinahe andächtig ruhig und den Vorgaben der Ranger entsprechend verhalten. Wie wir erfahren haben, soll das leider nicht immer so sein.

Nach den Affendamen sehen wir auf dem Rückweg vom Futterplatz nun auch noch ein junges männliches Tier. Der „Halbstarke“ spaziert die Wege des Zentrums entlang, zieht sich dann aber doch in die Baumwipfel zurück, als wir uns nähern.

Wir sind uns einig, dass ein Besuch in Semenggoh immer dann uneingeschränkt zu empfehlen ist, wenn er auf dem Weg zu oder von anderen Programmen eingebaut werden kann. Für Tierliebhaber lohnt sich auch das Soloprogramm „Orang Utans & Tiere Borneos“ (2 x täglich mit Transfer ab/an Hotel Kuching). Hier würden wir allerdings die Tour zur Morgenfütterung empfehlen, bei der in der Regel mehr Affen zu sehen sind.

Pitschnass auf Borneo

Es wird ernst! Im Dorf Bengoh des Bidayuh-Stammes angekommen, lassen wir Schuhe, Strümpfe und alles überflüssige Gepäck im Auto zurück. Man weiß ja schließlich, dass Paddeln zur feuchten Angelegenheit werden kann. Bald sind wir mit Schwimmwesten und Paddel ausgestattet, lassen die Kajaks zu Wasser und fahren – zunächst chaotisch, später in leidlich geordneter Formation – los. Viel Erfahrung beim Paddeln haben auch wir nicht, aber einige Touren im Spreewald und auf Brandenburgs Seen erweisen sich nun als nützlich. Für den künstlerischen Gesamteindruck bekommen wir hohe Noten. Was den sportlichen Wert betrifft, so sind wir in unserer Altersklasse ohnehin allein am Start…

Natürlich passiert schon in den ersten leichten Stromschnellen, was zu erwarten war! Wasser schwappt ins Boot und was Sitzmulden waren, sind nun kleine Wasserbecken. Was der Fluss und wir selbst nicht schaffen, gelingt den Guides und unseren Mitpaddlern, denn schon bald sind diverse Wasserschlachten im Gange. Nein, für diesen Spaß im tropischen Klima und mit badewannenwarmem Flusswasser sind auch wir noch längst nicht zu alt! Der Umstand, dass die Sitze der modernen Wildwasserkajaks kaum über eine Lehne verfügen, macht unseren Rücken allerdings doch ganz schön zu schaffen. Wir sind daher froh über die Pause für ein rustikales, aber sehr schmackhaftes Mittagessen, dass unser Fahrer und andere Helfer in der Versammlungshalle eines weiteren Bidayuh-Dorfes zubereitet haben.

Stromschnellen und Untiefen nehmen nach der Mittagspause ab und der Semadang fließt nun zunehmend ruhiger dahin. Mit wenig Kraftaufwand kommen wir jetzt schnell flussabwärts vorbei an Kalksteinformationen und Sandbänken in Richtung Endpunkt der Tour voran. Das Paddeln geht immer leichter von der Hand und es bleibt genügend Muße für die beeindruckende Landschaft am Fluss. An einer Sandbank gibt es eine weitere Pause. Als beste Methode der Abkühlung erweist sich dabei für viele Teilnehmer ein Bad in voller Montur im Fluss!

Fazit: Das Programm „Paddeln im Regenwald von Borneo“ gehört zu unseren schönsten Ausflügen auf Borneo für Naturliebhaber und aktive Gäste! Man muss kein Kajak-Experte sein, um diese Tour zu bewältigen, sollte aber etwas körperliche Fitness mitbringen.

Top Seafood im „Top Spot“

Auf der Rückfahrt von der Kajaktour nach Kuching diskutieren wir mit Nikki – die eigentlich Nicole heißt und aus dem bayerischen Wallgau kommend hier in Kuching ihr Glück gefunden hat – die Lokalität für unser Abendessen. Nikki ist entsetzt, dass ich noch nie im „Top Spot Food Court“ war, obwohl das bereits mein dritter Besuch in Kuching ist. Da Elke ohnehin Seafood liebt, ist die Entscheidung dann schnell gefallen!

Der „Top Spot Food Court“ befindet sich im Zentrum Kuchings, nur wenige Schritte von den Hotels Pullman und Hilton entfernt auf dem Dach eines mehrstöckigen Parkhauses. Gemütlichkeit und Ruhe sucht man in diesem riesigen Freiluftlokal vergebens, dafür gibt es Lokalkolorit pur! Aufgrund der großen Popularität bei Einheimischen und Gästen Kuchings sind die Besucherzahlen enorm, so dass Fisch und andere Meeresfrüchte immer frisch auf den Teller kommen! Man sucht sich die (rohe) Ware an einer der vielen Garküchen aus, lässt auswiegen und auspreisen, verhandelt die Art der Zubereitung und wartet dann schließlich am Tisch, bis serviert wird. Fliegende Händler verkürzen die Wartezeit mit diversen Getränkeangeboten.

Also wir sind begeistert von unseren gegrillten Tiger Prawns (Riesengarnelen) mit Knoblauchbutter und chinesischem Gemüse und schließen uns den vielen Empfehlungen für den „Top Spot“ an!

Über Batang Ai ins Langhaus der Kopfjäger

Um verschiedene Unterbringungsmöglichkeiten für unsere Gäste bei „Best of Sarawak“ u.a. Programmen zu testen, haben wir uns entschieden, zunächst im „Aiman Batang Ai Resort & Retreat“ (zum Zeitpunkt unserer Reise noch „Batang Ai Longhouse Resort – managed by Hilton“) am gleichnamigen Stausee zu übernachten und dann am nächsten Tag von dort aus ein echtes Langhaus der Ibans, den ehemaligen Kopfjägern Borneos, am Lemanak River zu besuchen.

Unsere ersten Stopps auf dem etwa 250 Kilometer langen Weg nach Batang Ai sind der große Freimarkt von Serian und eine Pfefferplantage. Auch nach vielen Asienreisen mit Marktbesuchen entdecken wir in Serian wieder neue Gemüsesorten und essbare Pflanzen. Diverse Ingwerblüten und wieder einmal die Fischabteilung erwecken unsere besondere Aufmerksamkeit! Im chinesisch geprägten Städtchen Lachau, einem alten Posten für den Grenzhandel mit dem indonesischen Teil Borneos, gibt es nach dem 2. Drittel der Fahrstrecke eine Mittagspause. Mit Nikkis Hilfe finden wir hier auf dem Markt die passenden Mitbringsel für unseren Langhausbesuch und sogar Ersatz für meine beim Paddeln ruinierten Badelatschen!

Dank frühzeitiger Abfahrt von Kuching ist es uns wie erhofft gelungen, die Fähre um 14:30 Uhr zu schaffen, die uns nun in einer knappen halben Stunde über den Stausee zum Resort bringt. Wir reisen zum Glück mit leichtem Gepäck und haben die Koffer in Kuching gelassen, denn jetzt bei Niedrigwasser steigen wir viele Stufen von der Anlegestelle hinauf zur Rezeption des weitläufigen Resorts.

Bedenkt man, wie weit wir hier im Dschungel von vielen Errungenschaften moderner Zivilisation entfernt sind, dann bieten die Gebäude im traditionellen Langhausstil erstaunlich komfortable Zimmer mit Dusche, WC und Klimaanlage. Zweifel an der Hoteltauglichkeit einer Langhausarchitektur müssen jedoch erlaubt sein, denn die riesige Gemeinschaftsfläche vor den Zimmern bleibt genau so verwaist wie die endlos lange Gemeinschaftsveranda. Die Pflege und Instanthaltung der vielen, komplett aus Holz errichteten Gebäude und der riesigen Anlage scheint eine echte Herausforderung zu sein. Da besteht eindeutig Handlungsbedarf! Dennoch kann man es sich hier nach langen Fahrten oder Dschungelexkursionen so richtig gemütlich machen. Wir genießen den Rest des Tages am Pool und lauschen dem Lied des Dschungels.

Den neuen Besitzern des Resorts und vor allem dem neuen Management wünschen wir viel Erfolg und ein glückliches Händchen beim Neuanfang in 2016!

Jetzt aber auf zu einem echten Langhaus! Am nächsten Morgen nehmen wir wieder die Fähre und fahren dann mit unserem Van an den Lemanak-Fluss. In einer winzigen Siedlung wartet ein Iban-Ehepaar mit seinem Langboot bereits auf uns. Wie wir erfahren, sind die beiden heute unsere Gastgeber.

Nach 45 Minuten Bootsfahrt treffen wir gleich beim Anlegen den Häuptling des Langhauses beim Einholen der Fischernetze. Vom Flussufer steigen wir wenige Meter hinauf zum Langhaus und werden von dessen Bewohnern freundlich auf der Gemeinschaftsfläche empfangen.

Auf diesem breiten „Korridor“, der etwa die halbe Breite des Langhauses auf dessen gesamter Länge einnimmt, spielen sich weitgehend das soziale Leben und Teile des Arbeitslebens der Dorfgemeinschaft ab. Hier werden auch Gäste bewirtet und zum Schlafen untergebracht. Außen vor der Gemeinschaftsfläche befindet sich – ebenfalls über die gesamte Länge des Hauses – eine große Veranda, auf der u.a. Getreide und Wäsche getrocknet wird. Bei unserem Besuch lässt man dort gerade frischen Pfeffer fermentieren und zu schwarzem Pfeffer trocknen.

In der anderen Hälfte des Langhauses befinden sich die abgetrennten privaten Wohn- und Schlafbereiche der einzelnen Familien. Wir dürfen den Privaträumen des Häuptlings einen Besuch abstatten und einen Blick in die Küche unserer Gastfamilie werfen, die gemeinsam mit Poh Heng schon bei der Vorbereitung unseres Picknicks ist.

Fleisch und Geflügel für die Zubereitung von Speisen im Langhaus oder für das Picknick werden bei jeder Tour frisch in Kühlboxen von Kuching mitgebracht. Bei den Programmen mit Übernachtung schlafen Sie auf der Gemeinschaftsfläche des Langhauses. Für diese Übernachtung sind Matratzen, Kissen und Moskitonetze im Langhaus eingelagert. Decken, Kissenbezüge, Bettlaken und Handtücher kommen bei jeder Tour frisch gereinigt aus Kuching. Neben dem Langhaus gibt es einen einfachen Sanitärbereich mit Dusche und WC, der nur unseren Gästen zur Verfügung steht.

Iban-Tänze und ein Picknick im Fluss

Während die Kinder des Dorfes noch viel Spaß mit Elke und deren Smartphone-Videos haben, bereiten sich einige Damen und „Krieger“ der Nachfahren der Kopfjäger Borneos schon auf die Vorführung traditioneller Iban-Tänze vor. Zum Tanz lockert ein Gläschen Reiswein „Tuak“ die Glieder, und natürlich müssen die Gäste unbeholfen mittanzen…

Wir haben noch Zeit, unser Geschick beim „Jagen“ mit dem traditionellen Blasrohr zu testen. So schlecht schneiden wir dabei gar nicht ab, aber die Zielscheibe war eben auch nur 3 Meter entfernt! Es folgt ein Spaziergang durch die Umgebung des Langhauses. Dabei sehen wir u.a. eine Ananasplantage und verschiedene Arten von Tierfallen, die bis heute für die Jagd verwendet werden.

Wir sind wieder im Boot und auf der Suche nach einer geeigneten Insel im Fluss für unser Picknick. Nachdem wir fündig geworden sind, wird ein Feuer entfacht, über dem schnell ein provisorischer Grillrost aus festem Maschendrahtzaun für Brathähnchen und Schweinefleisch platziert ist. Am Feuer werden außerdem die vorbereiteten und gefüllten Bambusrohre in Stellung gebracht, in denen nun (mit Bananenblatt umwickelt) Gemüse, Reis und Geflügel sanft garen werden. Natürlich tragen der romantische Platz im Fluss und die exotische Art der Zubereitung das ihre dazu bei, dass wir es uns nach kurzer Zeit so richtig gut schmecken lassen. Das zarte Hühnchen aus dem Bambusrohr wird übrigens zum Lieblingsgericht gekürt!

Es ist Zeit für die Rückfahrt nach Kuching. Wir haben noch einige erholsame Tage am Strand von Damai und einen schönen Bootsausflug in die Mangrovensümpfe an der Mündung des Santubong-Flusses vor uns, bevor wir dann nach Kuala Lumpur fliegen werden.

Die ausführlichen Reiseberichte zu allen Stationen der Borneo-Rundreise finden Sie im Blog von EAST ASIA TOURS.

Jörg Günther

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