EAST ASIA TOURS

Thailand fernab der Touristenpfade

Landleben, Mönche und Geistermasken

Früh, viel zu früh lärmt die Weckfunktion des iPhones an diesem Mittwoch durch mein komfortables Hotelzimmer mitten in Bangkok…  

Noch ein Blick hinunter zu den Schnellbooten und Lastkähnen auf dem Chaophraya, ein schnelles Frühstück auf der Restaurant-Terrasse am Fluss, Koffer zu und auschecken. Dann starte ich meine Reise, die mich und meine Begleiter durch die Provinzen südwestlich von Bangkok bis zum Seebad Hua Hin und anschließend in die Provinz Loei im Nordosten Thailands führen wird.

Der morgendliche Berufsverkehr ist in vollem Gange als unser Van über den Fluss hinüber nach Thonburi im Westen der Hauptstadt fährt. Zum Glück staut es sich um diese Tageszeit vorwiegend stadteinwärts! Wir kommen also zügig voran und der Übergang von den Vororten Bangkoks in die Provinz Samut Sakhon ist kaum zu spüren.

Fische und Fahrradrikschas

In Mahachai, einem Küstenort an der Mündung des Flusses Tha Chin, steht der Besuch eines der größten Fischmärkte Thailands auf dem Programm. Zugegeben, ich bin sehr skeptisch, welche Gerüche mich nun erwarten werden? Fische und andere Meeresprodukte sind aber tatsächlich so frisch, dass meine Nase nichts zu erleiden hat. Nur zu den Bergen von Garnelenpaste, einem unverzichtbaren Bestandteil der Thai-Küche, halte ich lieber etwas Abstand.  

Per Fähre setzen wir zum anderen Ufer des Tha Chin über. Dort erwarten uns betagte Herren mit ihren Fahrradrikschas, die damit ihr bescheidenes Alterseinkommen etwas aufbessern. Es folgt eine gemütliche Rikschatour durch das Städtchen zum Bahnhof.  

Zwischen Wohnhäusern, netten Vorgärten und Tempeln fallen hohe, meist unansehnliche Betonklötze mit winzigen Fensteröffnungen auf. Wir fragen nach und erfahren, dass es sich um „Wohnhochhäuser“ für Schwalben (eigentlich Salanganen) handelt, aus deren Nestern die berühmte „Schwalbennestersuppe“ hergestellt wird. So fragwürdig der Verzehr dieser asiatischen Delikatesse auch generell sein mag, dieses „Nest Farming“ ist wohl allemal besser als das rücksichtslose Ernten von Nestern in freier Natur durch Wilderer. Tatsächlich hat sich der gefährdete Bestand an Salanganen in letzter Zeit etwas erholt.

Züge ohne Fahrplan

„Nein, der Zug nach Maeklong ist heute bereits zwei Stunden früher gefahren.“ Während ich noch darüber nachdenke, was diese Info der Bahnhofsauskunft zur Fahrplantreue wohl für die zuverlässige Durchführbarkeit von Rundreiseprogrammen bedeuten mag, legt unsere ausgezeichnete Reiseleiterin Toy schon völlig unaufgeregt fest, dass wir dann eben nach dem Mittag den nächsten Zug von einer anderen Station aus nehmen. Gesagt, getan. Da verhalten wir uns doch vorbildlich wie echte Thais… und denken zunächst einmal ans Mittagessen!  

An einer Bahnstation, die nur Ortskundige als solche erkennen können, steigen wir nun in den Bummelzug ein. Klar war, dass der Zug von Gleis 1 abfahren würde, da es nur ein Gleis gab. Wann genau er fahren würde, blieb bis zur Abfahrt ungewiss.

Für die mit uns wartenden Einheimischen war dieser Umstand jedoch völlig nebensächlich und keiner großen Erörterung wert, denn irgendwann würde es schließlich schon losgehen.

Das „Schirm klapp weg“ Erlebnis

Als sich unser Zug nun anschickt, mitten hinein zu fahren in das lebendige Marktreiben von Maeklong mit den eng aneinander stehenden Marktständen und Warenauslagen, sind zunächst erhebliche Zerstörungen oder gar Gemetzel an den Marktbesuchern zu befürchten. Doch immer nur wenige Meter vor dem Triebwagen werden dann Sonnenschirme eingeklappt und Stände verrückt, so dass sich auf wundersame Weise eine enge Gasse öffnet und die Gleise frei gibt. „Talad Romhup“ heißt dieser Teil des Maeklong-Marktes, was man etwas frei mit „Schirm klapp weg“ übersetzen kann.

Das Thermometer ist inzwischen auf mehr als 35°C geklettert und der Mai macht seinem Ruf als einer der heißesten Monate in Thailand alle Ehre. Am Marktstand mit den exquisiten Durians kommen wir dennoch nicht vorbei. Noch nie hat mir eine „Stinkfrucht“ so himmlisch geschmeckt wie hier! Dass Durian den Körper erhitzt, erklären mir unsere lieben Begleiterinnen mit schelmischem Lächeln erst, nachdem ich mich reichlich daran gelabt habe. Den Rest des Nachmittags erlebe ich nun mehr denn je in Schweiß gebadet.

In Amphawa, dem Geburtsort König Rama II., bummeln wir durch die schöne Parkanlage des ihm gewidmeten Museums und schlendern anschließend über den „Amphawa Riverside Market“. Zu den Markttagen am Wochenende zieht der Ort massenhaft Ausflügler aus dem nahen Bangkok an. Heute liegt er ruhig und beschaulich zu beiden Seiten des Flüsschens vor uns. Die Ruhe müssen wir allerdings damit bezahlen, dass fast alle Geschäfte und Garküchen geschlossen bleiben.  

Am frühen Abend checken wir im „Baan Amphawa Resort & Spa“ ein. Der Tag klingt hier mit einer entspannenden Nacken-und-Schulter-Massage im „Suphannika Spa“ und einem Dinner am Maeklong-Fluss aus.  

Thailands Natur hautnah

Nach dem Frühstück fahren wir am nächsten Morgen zum Dorf Tha Kha, wo wir an einem Tempel auf kleine Boote (Sampans) umsteigen und durch die schmalen Kanäle mit üppiger Vegetation zu beiden Seiten gerudert werden. In diesem Moment ist Thailand genau so, wie es sich ein Tourist aus fernen Landen wohl vorstellen mag!

Auch auf den Kanälen von Tha Kha wird an bestimmten Tagen des Mondkalenders ein „Schwimmender Markt“ abgehalten. Wir interessieren uns heute aber für ein Gehöft, auf dem mehrere Generationen einer Familie Palmzucker herstellen. Wir schauen nur zu, wie aus dem Saft der Blütenstände der Palmen Sirup gekocht und zu einer zähflüssigen Masse einreduziert wird, die bei Abkühlen dann fest wird. Aber allein vom Zuschauen am offenen Feuer wird es schon wieder bedrohlich heiß für mich…

Übrigens: Einige Familien in Tha Kha bieten in ihren Häusern auch Gästezimmer an. Wenn man an unverfälschten Eindrücken vom dörflichen Leben in Zentralthailand interessiert ist, den Kontakt zu den Einheimischen sucht und auf gehobenen Komfort verzichten kann, dann ist ein solches Home Stay sicher eine gute und sehr preiswerte Alternative zu Hotels.

Man lernt nie aus. Auch nicht beim Zucker.

Für uns geht es nun weiter in die Provinz Phetchaburi, etwa 170 Kilometer südwestlich von Bangkok. Vorbei an endlosen Salinen, wo in geschäftigem Treiben gerade das Meersalz „geerntet“ wird, und nach einem kurzen Stopp am „Laem Pak Bia Environmental Research and Development Project“ erreichen wir den Bezirk Ban Thamrong. Nun wird es kompliziert für uns „Farangs“ (in Thailand üblicher Begriff für Ausländer mit weißer Hautfarbe), denn auf einer Zuckerpalmenplantage müssen wir den kleinen aber feinen Unterschied zwischen dem Palmzucker von der Zuckerpalme und dem von anderen Palmenarten begreifen. Sehr kompliziert, aber als Faustregel habe ich mir gemerkt, dass sich ersterer sehr gut für Süßigkeiten und Desserts eignet, letzterer hingegen vorrangig zum Kochen verwendet wird. Übrigens können auch die Samenkerne der Frucht der Zuckerpalme in einem aufwendigen mehrstufigen Verfahren essbar gemacht und zu Desserts und Naschwerk verarbeitet werden.

Wir wohnen heute im „Petchvarin Resort & Spa“, das sich nachhaltigem Tourismus und ökologischer Bewirtschaftung verschrieben hat. Biogemüse und Kräuter an den Speisen kommen oft aus dem hoteleigenen Garten.  

Am nächsten Tag fahren wir durch einen kleinen Teil des Kaeng-Krachan-Nationalparks und über den Damm des gleichnamigen Stausees. Von der Dammkrone aus öffnet sich ein schöner Blick auf die Umgebung. Leider ist nicht genügend Zeit, den Park genauer zu erkunden, denn wir müssen weiter zu den Stränden von Cha-am und Hua Hin. In Hua Hin ist dann noch Zeit für einen Besuch der königlichen Sommerresidenz König Rama VI. und für einen Abstecher zum reich verzierten königlichen Wartesaal des Bahnhofs, der zum Wahrzeichen Hua Hins geworden ist.

Übrigens: Auf der Rückfahrt nach Bangkok ist mir das anfängliche Glück mit dem Stau in der Gegenrichtung nicht mehr hold! Für den letzten Kilometer bis zum Hotel an der Sukhumvit Road brauchen wir viel Geduld und mehr als eine Stunde Zeit. Gut, dass mein Weiterflug in den Nordosten erst für den nächsten Tag gebucht ist!

Weiter in den Nordosten Thailands

Kurz vor dem Mittag landet unser Flug aus Bangkok in Udon Thani, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im I-san, dem Nordosten Thailands. Unter Travellern ist Udon Thani vor allem bekannt als Sprungbrett nach Laos, denn von hier aus fahren u.a. Busse nach Nong Khai und zur „Friendship Bridge“, auf der man den Mekong überqueren kann und – nur rund 20 Kilometer von Vientiane entfernt – laotisches Territorium erreicht.

Wir machen uns auf dem Highway Nr. 2 in Richtung Nong Khai auf den Weg. Dort bleiben wir aber am thailändischen Ufer des Mekong und fahren auf landschaftlich reizvoller Strecke immer am Fluss entlang in Richtung Westen. Dabei sehen wir auf der anderen Flussseite schon bald die laotische Hauptstadt Vientiane, diesmal aus einer für mich ganz neuen Perspektive.

Den Reiseerfolg nicht dem Zufall überlassen

Nach fast vierstündiger Fahrt erreichen wir das Städtchen Chiang Khan direkt am Ufer des Mekong. Die sehr schönen traditionellen Holzhäuser Chiang Khans ziehen sich beiderseits der „Walking Street“ fast zwei Kilometer am Mekong-Ufer entlang. Wir stellen schnell fest, dass ein abendlicher Bummel auf dieser Straße mit ihren Gästehäusern, Restaurants und Geschäften unbedingt zum Programm des Chiang-Khan-Besuchers gehören muss. Auch am frühen Morgen des nächsten Tages kommen wir noch einmal hierher zurück, um den Mönchen des hiesigen Klosters frisch gekochten Klebreis zu spenden. Übrigens sind hier bei der morgendlichen „Speisung der Mönche“ Touristen noch die Ausnahme und fast ausschließlich die einheimischen Gläubigen und eben die Mönche auf der Straße. Ganz anders als inzwischen im laotischen Luang Prabang also…  

„Pasat Loy Kroh“ sind kleine quadratische Flöße mit etwa 20 cm Kantenlänge, die aus verschiedenen Teilen der Bananenstaude und anderen Naturmaterialien gefertigt und dann kunstvoll verziert werden. Als einer regionalen Variante der Krathongs (bekannt vom Lichterfest „Loi Krathong“) sagt man auch ihnen nach, dass sie – ausgesetzt auf einem Fluss – beim Davontreiben allen Ärger, Groll und schlechte Gedanken des Bastlers mit sich nehmen. Die große Herausforderung für den mit Kameras und Smartphone behangenen Touristen: Man darf seinem eigenen Pasat auf keinen Fall hinterher schauen, denn sonst hat man das ganze Übel gleich wieder am Hals!

Wir haben nun Gelegenheit, unsere gestern mühsam selbst gebastelten Pasats im Morgendunst auf dem Mekong aussetzen zu können. Zum Glück reisen wir in der Gruppe und einer kann des anderen Pasat fotografieren, ohne viel Unheil zu riskieren!

Mönchen gespendet und Pasat erfolgreich gestartet… Was soll auf dieser Reise eigentlich noch schief gehen?

Erheiternde Tanzeinlage bei der Blumenbaum-Prozession

Wir fahren in die Dörfer Ban Na Or (traditionelle Thai-Häuser im Loei-Stil und Kunsthandwerk) und Ban A Hee. In Ban A Hee zelebrieren wir gemeinsam mit den Dorfbewohnern eine „Blumenbaum-Prozession“. Den Blumenbaum basteln wir recht geschickt, die Trommeln und Gongs für die Begleitmusik halten wir gut im Takt, nur unsere Tanzerei sorgt wieder für ausgelassene Heiterkeit bei den anwesenden Thais. Hier passiert nun übrigens etwas, das ich in Thailand schon seit Jahren nicht mehr erlebt habe: Die Einheimischen fotografieren die Touristen als seltene Spezies und Attraktion! Gibt es einen besseren Beweis dafür, dass wir auf einer Tour „fernab ausgetretener Touristenpfade“ sind?  

Wir stoppen an einem neuen Grenzübergang, der Thailand und Laos mittels einer weiteren „Freundschaftsbrücke“ – diesmal über den Huang River – verbindet. Noch scheint hier in Ban Nakraseng alles etwas überdimensioniert, denn es gibt zwar große Abfertigungsgebäude und viele Grenzer, jedoch kaum Passanten. Das kann sich aber schnell ändern, denn auch Ausländer können diesen Übergang nutzen, der nur 360 Kilometer vom laotischen Touristenmagneten Luang Prabang entfernt ist. Neue Reiseprogramme von Loei überland nach Luang Prabang werden sicher nicht lange auf sich warten lassen!

Als wir am Nachmittag in der romantischen Eco Lodge „Chachanat Woodland Resort“ in den Bergen um den 1.365 Meter hohen Gipfel Phu Rua aus unseren Vans steigen, spüren wir sofort, dass wir hier in einer der kühlsten Regionen Thailands sind. Thailändische Ausflügler kommen gern hierher, um im Winter mit etwas Glück einmal Temperaturen bis nahe an den Gefrierpunkt zu erleben. Nun, heute zeigt der Kalender den 1. Juni, und wir genießen echte Wohlfühltemperaturen zwischen 20 und 25°C. Genau die richtige Temperatur für ein gut gekühltes Bier „Singha“ auf der Restaurantterrasse vor dem Dinner.  

Mitten unter Geistern und Dämonen

Wir verlassen das Bergland und fahren nach Dansai, Stadt der Geister, Dämonen und des alljährlichen Phi Ta Khon-Festivals. Unterwegs besuchen wir den ausgesprochen schönen Tempel Wat Pa Neramit Vipassana, wo wir die Gelegenheit haben, einem hoch angesehenen Mönch mehr oder weniger sinnvolle Fragen zu stellen. Bevor wir im „PhuNaCome Resort“ einchecken, besuchen wir das Phi Tha Khon-Museum. Neben einer Sammlung der schaurig-schönen Masken gibt es hier Informationen zur Tradition des alljährlichen Festivals, bei dem die Geister zur Erde gerufen werden.

Muss ich eigentlich noch erwähnen, dass wir am Nachmittag natürlich unsere eigene Phi Ta Khon-Maske bemalen? Unter großem „Hallo“ werden diese Kunstwerke dann beim Abendessen von einem Seher analysiert und es werden Rückschlüsse auf den Charakter des jeweiligen Maskenmalers gezogen. Mir wurde Ernsthaftigkeit und Engagement bescheinigt. Na also!

Noch vor dem Frühstück beginnen wir den letzten Tag unserer Reise mit einer wenig anstrengenden Radtour auf der Route „The Spirit of Dansai“. Gut, dass wir das in der Kühle des jungen Tages tun! Nach einem kräftigen Frühstück mit delikaten Nudelsuppen und anderen Loei-Spezialitäten bescheren wir dem Souvenirladen „Kwintip“ noch einen ordentlichen Umsatz zugunsten der Kommune. Nach dem Mittagessen nehmen wir Abschied von unseren fantastischen Gastgebern und fliegen von Loei direkt zurück nach Bangkok.  

Mein Fazit: Diese Reise ist ideal für alle, die die historischen Top-Sehenswürdigkeiten des Landes schon ein wenig kennen und nun auf der Suche nach dem typischen Landleben in küstennahen Regionen Thailands sind und Interesse an Besuchen von traditionellen Märkten und an der Thai-Küche mitbringen.

Die Naturschönheiten und historischen Stätten der Provinz Loei sind auch außerhalb des berühmten Phi Ta Khon-Festivals einen Besuch wert. Die außerordentliche Gastfreundschaft der Bewohner des I-san und das Bedürfnis der Gastgeber, den Besuchern die Geschichte, Sitten und Gebräuche der Region nahe zu bringen, trugen ganz maßgeblich zum Gelingen der Reise bei.

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