Reisebericht: China auf dem Fahrrad

China Tours

Einmal auf dem Fahrrad durch China – China Tours Mitarbeiterin Ulrike Löhrl erlebte genau dieses Abenteuer. Im Oktober ist sie für 15 Tage auf der China Tours Gruppenreise „China auf dem Fahrrad“ mitgereist. Es ging von Peking im Norden über Xi’an nach Guilin im Süden und schließlich über Hangzhou wieder in das nördlichere Shanghai. Verfolgen Sie dieses Abenteuer in diesem Erlebnisbericht:

Mit dem Fahrrad durch Peking

Abenteuer Fahrradfahren in Peking – die wichtigste Regel ist: Keine Angst. Wir sind ca. 30 Kilometer durch Peking geradelt, auf breiten Straßen mit eigener Fahrradspur und durch kleine Gässchen, wo wir einen Blick ins chinesische Alltagsleben werfen konnten. Auf der einen Seite der Hauptverkehrsstraße wachsen die Hochhäuser in den Himmel, auf der anderen Seite stehen die kleinen Häuschen ohne fließendes Wasser und mit Gemeinschaftsklo für alle Bewohner. Dort steht der ältere Mann im Schlafanzug vor seinem Häuschen, putzt sich die Zähne und sieht uns auf dem Fahrrad vorbeifahren. 

In den kleinen Gässchen der Altstadt, den Hutongs, fallen wir als Fahrradgruppe ziemlich auf. Ein freundliches „Hello!“ undneugierige Blicke und Erstaunen darüber, dass Ausländer mit dem Fahrrad durch die Stadt fahren. Das Fahrradfahren ist entspannt und angenehm, aufpassen muss man nur auf das, was der Vordermann macht.

Wir fahren mit Zwischenstopps im Qianmen-Viertel und am Platz des himmlischen Friedens entlang, bis zum Mittagessen. Dann weiter auf weniger befahrenen Straßen um die Verbotene Stadt bis zum nördlichgelegenen Kohlehügel. Die verspeisten Kalorien werden gleich in Bewegungsenergie umgesetzt, als wir den Hügel besteigen. Weiter geht es in die Hutong-Viertel nördlich des Glocken-und Trommelturms. Die „hinteren Seen“ sind noch ruhig und idyllisch, ganz anders als abends, wenn die Bars im Houhai-Viertel mit bunten Lichtern locken und sehr viele Menschen dort unterwegs sind. Bei der gemütlichen Kaffeepause im Dachgarten eines kleinen Cafés am Ufer des Nord-Sees werden sogar Käsekuchen und Schwarzwälder Kirschtorte verspeist – hier muss niemand darben.

Die Große Mauer zum Sonnenuntergang

Am nächsten Tag ist der Bus dran, das Fahrrad hat Pause. Der Lama-Tempel ist immer wieder einen Besuch wert. Die weitläufige Anlage, die Hallen und die Statuen, die tibetischen und mongolischen Einflüsse auf die Architektur und Ausgestaltung des Tempels finde ich auch nach vielen Besuchen immer wieder schön. Auf dem Weg zum Sommerpalast im Nordwesten der Stadt  scheint jeder Fetzen blauer Himmel der zwischen den Wolken zu sehen war, ein gutes Zeichen zu sein.

Auf dem Weg zur Mauer kommen uns schon die Touristenbusse entgegen, die den Besuch am Nachmittag gemacht hatten, und jetzt wieder in die Stadt zurück fahren. Wir haben die Mauer tatsächlich fast ganz für uns (bis auf eine weitere China Tours-Gruppe). Steile Stellen, inegale Stufen, grandiose Ausblicke auf die Landschaft mit den sich allmählich rot färbenden Ahornblättern – und das alles mit einem blauen fast wolkenlosen Himmel als Hintergrund. Um 17:00 Uhr hat sich die Reisegruppe am 3. Wachturm von rechts verabredet, und trotz des eisigen Windes stoßen wir mit chinesischem Rotwein, der passenderweise „Great Wall“ heißt, aus Plastikbechern auf den Sonnenuntergang an.

Als die Sonne hinter den Bergen verschwunden und wir hinab gestiegen sind, gibt es in einem der Läden am Eingang echten Espresso aus frisch gemahlenen Bohnen, perfekt zubereitet.

Mit einem Zwischenstopp am Olympia-Gelände mit dem leuchtend-blauen Wasserwürfel und dem bunt beleuchteten Vogelnest fahren wir geradewegs zum Pekingenten-Essen. Wir sitzen im Separee an einem großenrunden Tisch und lassen uns die Geheimnisseder Zubereitung und die Kunst des Verspeisens der Peking-Ente erklären.

Mit dem Nachtzug nach Xi‘an

Am folgenden Tag: Abschied von Peking – mit einem Besuch beim Kaiser. Es ist voll in der Verbotenen Stadt, Menschenmassen drängen sich auf der Nord-Süd-Achse und drücken sich die Nasenplatt an den Fenstern zu den kaiserlichen Gemächern. Kalt und sonnig, der blaue Himmel meint es gut mit uns. Bummel auf der Wangfujing, der großen Shopping-Straße, spätes Mittagessen und Kungfu-Show, dann machen wir uns auf den Weg zum Bahnhof.  Im Nachtzug von Peking nach Xi’an wird wiedermal bewiesen, dass das Fassungsvermögen eines chinesischen 4-Bett-Abteils größer ist als gedacht. 12 Leute sitzenauf den Liegen, die restlichen 4 stehen in der Tür, um wie unsere Reiseleiterin sagt, den Nachttrunk zu genießen. Bier muss nachbestellt werden, und aus den Tiefen der Koffer kommen die Notrationen auf den Tisch. Der rollende Verkäufer kommt irgendwann vorbei um uns mitzuteilen, dass er jetzt Feierabend mache. Aber da ist für uns auch Feierabend.

Die Terrakotta-Armee

In Xi’an angekommen, geht es am nächsten Tag abends mit dem Flieger gleich wieder weiter nach Guilin, nach Südchina, wo es zu meiner großen Freude 20-30 Grad warm ist. Schnelles Frühstück im Hotel, schnelle Dusche und dann eine erste kleine Fahrradtour auf der Stadtmauer. 14 Kilometer einmal rund um die alte Stadt Xi’an, wunderbar, um die Gelenke zu ölen und den Kopf frei zu kriegen. Die Terrakotta-Armee habe ich zuletzt in den 90ern besucht, und bin deshalb sehr gespannt auf Veränderungen. Es hat sich ziemlich viel getan – von der neuen Autobahn nach Lintong, über das „neureiche“ Aussehen dieses kleinen Städtchens kurz vor Xi’an bis hin zur Ausgrabungsstätte in Lintong selber, die ein Facelift erhalten hat. Organisiertes Parksystem, Elektro-Shuttlebus zum Museum, neue Gebäude und Aufhebung des Fotografier-Verbotes. Nichts desto trotzt, die Armee aber hat nichts von ihrer Faszination verloren.

Wunderschöne Landschaft um Guilin

Mittlerweile bin ich nach den Stationen in Xi’an und Guilin in Yangshuo gelandet. DerAufenthalt in Xi’an war recht kurz, nur eine Nacht, dafür aber zwei kleine Fahrradtouren auf der Stadtmauer und durch die Stadt. Ich war schon seit den 80er Jahren nicht mehr in Xi’an. Die Stadt hat sich unglaublich gewandelt, ich habe sie nicht wiedererkannt.

Gerade eben bin ich noch auf dem Fahrrad von der Großen zur Kleinen Wildganspagode gefahren, schon sitze ich in der Hotellobby in Guilin. Vom Herbst in den Sommer, um 23 Uhr abends immer noch 20 Grad.

Auf dem Weg nach Yangshuo haben wir heute mal nicht das Fahrrad benutzt, sondern sind gewandert. Entlang dem Li-Fluss, nach dem wir in Caoping mit Flößen auf die andere Seite übergesetzt haben, sind wir mit einem einheimischen Führer gelaufen. Wir haben in den Dörfern unterwegsin Wohnhöfe geschaut, den Bauern bei der Feldarbeit zugesehen und unser Picknick im Schatten des Versammlungshauses der KPCh (Kommunistische Partei Chinas), Kreisverband Yangshuo, eingenommen. Immer wieder kommen wir zum Li-Fluss, zunächst direkt am Ufer, an dem ein kleiner Wald mit blühenden Banyanbäumen steht, und dann durch die Felder bis zu einer kleinen Betonstraße, auf der wir oberhalb des Li-Flusses weiter laufen. Wunderschöne Ausblicke auf den Fluss und die Karstberge. Es ist eine Märchenlandschaft!

Nach unserer Wanderung bis in die Nähe von Yangshuo ist amnächsten Tag wieder Fahrradfahren angesagt. Eine kleine Tour von ca. 14km führt uns durch die Karstgebirge-Landschaft, mit einem Stopp in einem alten Dorf, in dem die Gäste über die altertümlichen Dreschmaschinen der Reisbauern staunen. Dort steigen wir auf die Bambusflösseum. Eine Stunde Fahrt flussabwärts auf dem Yulong-Fluss bei herrlicher Ruhe. Die Fahrräder sind flussabwärts zur Anlegestelle transportiert worden und erwarten uns dort. Nach dem Mittagessen in einem Bauern-Restaurant sind wir am Nachmittag wieder in Yangshuo.  

Reisterrassen und Hangzhou

Was wäre eine Reise durch China ohne einen Besuch der Reisterrassen? Nach dem Frühstück geht es weiter nach Longsheng. Nach einer Wanderung erreichten wir unser Gasthaus auf dem Berg, in dem wir übernachten. Am nächsten Morgen genieße ich den atemberaubenden Anblick der aufgehenden Sonne im Morgen nebel über den Reisterrassen. Dann beginnt der Abstieg hinunter ins Tal auf dem Weg zurück nach Guilin. Von dort aus geht es mit dem Flieger weiter nach Hangzhou. Auch da war ich seit den späten 80er Jahren nicht mehr.

Die letzte Station der Gruppenreise wird Shanghai sein, und ich bleibe dann noch ein wenig in Shanghai und Hongkong. „Im Himmel gibt es das Paradies, auf Erden gibt es Hangzhou“ – das besagt ein altes Sprichwort in China. Damit ist vor allem der bezaubernde Westsee mit seinen Brücken, Inseln und Pavillons gemeint. Nach einem kurzen Spaziergang entlang des Westsees fahren wir anschließend zu einer Teeplantage– Hangzhou ist als Anbaugebiet für den Drachenbrunnentee über die Grenzen Chinas hinaus bekannt.  In der lebendigen Altstadt besuchen wir ein Apothekenmuseum, wo wir uns die traditionelle Chinesische Medizin und ihre Wirkungsweisen erklären lassen.

Tradition und Modernein Shanghai

Shanghai ist eine aufregende Stadt voller Gegensätze – Alt und Neu, gigantische Wolkenkratzer und kleine Häuschen, übereinander gestapelte Hochstraßen und kleine Gässchen, Transrapid und Superschnellzug, Fahrrad, grüner Tee und Starbucks.

Auf den Fahrrädern entdecken wir in Shanghai die Langsamkeit. Im Volkspark versuchen Eltern ihre unverheirateten Kinder an den Mann bzw. die Frau zubringen. Auf DIN-A 4 Blättern stehen die wichtigsten Angaben wie Alter,Größe, Branche und Einkommen. Die französische Konzession bietet Platanen – bestandene Straßen, Geschäfte mit Luxusmarken und kleine baufällige Häuser sowie schöne Bauten aus der Kolonialzeit. Den letzten gemeinsamen Abend lassen wir bei einem Cocktail am Bund entspannt ausklingen und können so noch mal einen Blick über die Skyline Shanghais schweifen lassen.

Mit dem Transrapid fahre ich zum Flughafen Pudong, um die Reiseteilnehmer zu verabschieden. Die Strecke von 31 km haben wir in 10 Minuten zurückgelegt. Der Superschnellzug aus chinesischer Produktion hatte uns schon von Hangzhou nach Shanghai gebracht, 300 km in 70 Minuten mit Stopps an Bahnhöfen unterwegs.

Auf den Spuren deutscher Geschichte, auf denen ich heute in Shanghai wandele, trifft man auf Handelshäuser wie z.B. Melchers. Die sind schon seit dem 19. Jahrhundert in Shanghai und ihr ehemaliges Kontorhaus liegt in einer Seitenstraße der Einkaufsstraße Nanjing Lu. Im Stadtteil Hongkou liegt das frühere jüdische Viertel, in denen in dunkler Zeit aus Deutschland geflohene jüdische Familien Zuflucht fanden. Die ehemalige Synagoge ist heute zu einem Museum ausgebaut. Um die Ecke der Synagoge liegt die Zhoushan Lu, hier sind die letzten noch erhaltenen Häuser aus der Zeit. Eng, klein und dunkel, aber mit funktionierender Nachbarschaft.

Im kleinen Huoshan-Park ist ein Gedenkstein aufgestellt und erinnert an die Geschichte der Shanghaier Juden. Vogelkäfige sind rundum in den Bäumen aufgehängt, die Vögelzwitschern, was das Zeug hält, alte Leute aus der Nachbarschaft nutzen die Tartanbahn rund um den Park für ihren Abendsport. Kleine Kinder spielen, jagen Seifenblasen, sitzen an den Steintischen und malen, kleine Grüppchen von Nachbarn sitzen zusammen und plaudern. Ein friedliches Bild im Nachmittagssonnenschein.

Quelle: Blog.ChinaTours.de