Mein perfekter Tag in Peking

feel China

6:00 Uhr morgens – Gähn! Ich gebe mir einen kleinen Stups und schwinge mich aus dem warmen Bett. MeinTag in Peking beginnt früh, ganz früh. Denn dann ist genau die richtige Zeit, um das wahre China zu erleben, dem typischen Pekinger zu begegnen. Die Chinesen sind Frühaufsteher. Und wenn man frühmorgens, noch vor dem Hotelfrühstück, den Fuß vor die Hoteltür setzt, dann offenbart sich ein ganz typisches China, das viele Besucher gar nicht kennen lernen.

Noch mit ein wenig Schlaf in den Augen trete ich auf die Straße. So früh morgens ist es ruhig. Doch an den Straßenecken gibt es Leben. In einem kleinen Park haben sich die Anlieger zu einem kleinen Tänzchen getroffen. Aus einem alten Radiorecorder tönen Tango und Walzer. Ein paar Schritte weiter üben sich einige ältere Frauen im Tai Ji, dem chinesischen Schattenboxen. Ein Mann macht Dehnübungen an der Straßenbegrenzung. Ja, jeder sollte sich dieses authentische China mal ansehen! Auch während einer organsierten Reise ist so früh morgens Zeit für kurze Erkundungen auf eigene Faust.
Wer vielleicht später aufs Frühstück verzichten mag, kann an einem der Straßenstände frisch frittierte Xuebing, eine Art würziger Crepe mit Ei und einer leckeren Soße, für ganz wenig Geld probieren. Oder geht auch schon eine heiße Nudelsuppe? Ich probiere gerne was Neues. Lecker!

Der Ausflug zur Großen Mauer bei Huanghuacheng und zum Seelenweg

Dann steht um 9:00 Uhr der Reiseleiter im Hotelfoyer! Auf geht es zu dem gebuchten Programm mit Ausflug zur Großen Mauer und zum Seelenweg! Zwei Touris, ein Reiseleiter, ein Auto mit Fahrer. Luxus pur! Die Fahrt in Richtung Norden geht zunächst über breite Stadtautobahnen. Sobald wir raus aus der Stadt sind, wird die Straße schmaler, der Verkehr weniger. Meinem Wunsch gemäß wollen wir zu einem weniger frequentierten Teil der Großen Mauer: Huanghuacheng. Dieser Teil der Großen Mauer beim „Dorf der gelben Blumen“ ist erst in den letzten Jahren renoviert und für Touristen freigegeben worden. Ich kenne die Große Mauer bei Badaling und Mutianyu. Diese Teile sind sehr beliebt bei Touristen, deshalb voll und wenig idyllisch.

Schon von weitem kann ich die Mauer, die sich wie ein Drache auf den Bergrücken entlang windet, erkennen. Die Straße ist eine schmale Allee, gut ausgebaut. Die Berge sind grün und bewaldet. Von weitem sieht die Große Mauer wie ein beiger Wall mitten in den grünen Bergen aus. Ich habe Glück mit dem Wetter: Heute scheint die Sonne von einem stahlblauen Himmel. Die weißen Wölkchen vollenden das perfekte Bild von einem perfekten Wetter in Peking. Es ist auch nicht zu heiß für die kurze Wanderung auf der Mauer. Die Stufen sind steil und beschwerlich. Doch hier ist die Mauer ohne viele Besucher, und das Anfang September! Es lässt sich gut gehen. In der Luft segelt ein Raubvogel, weiter hinten ist ein See zu erkennen. Vögel zwitschern, eine bunte Eidechse verschwindet blitzschnell im Unterholz.

Viel zu schnell ist die Zeit vergangen! Schon sind wir wieder am Auto. Weiter geht es durch waldige Täler und kleine Dörfer zu den Ming-Gräbern, den 13 runden Hügeln von 13 Kaisern aus der Ming-Dynastie (1368 – 1644). Unterwegs essen wir eine Kleinigkeit in einem gar nicht touristischen Restaurant. Lecker! Die Straße ist gut, mit Bäumen bestanden und nicht besonders dicht befahren.

Schließlich sehe ich die runden Hügel der kaiserlichen Gräber. Doch die lassen wir sozusagen rechts liegen. Die Hügel sind einfach Hügel: Groß, rund und grün. Mehr nicht. Die Dinge, die man bei Ausgrabungen gefunden hat, befinden sich heute in den Museen Pekings: In der Verbotenen Stadt, im Nationalmuseum oder im Hauptstadtmuseum. Ich finde die Ming-Gräber eher uninteressant. Doch der Seelenweg, an dem wir kurze Zeit später halten, ist großartig an diesem Tag! Es sind weniger Touristen dort als vermutet. Wo vor Hundert Jahren die Figuren des Seelenweges noch mitten in einer vegetationslosen Ebene zwischen Feldern den kaiserlichen Seelen den Weg zu ihren Gräbern und ins Himmelreich wiesen, so umgibt sie heute ein kleiner Wald. Die ganze Anlage ist liebevoll gepflegt. Aus Lautsprechern tönt leise chinesische Musik. Und der eine oder andere Hinweis auf ordentliches Benehmen: nicht rauchen, keinen Müll auf den Weg werfen… Das erklärt uns der Reiseleiter. Die Zäune, die vor Jahren die Statuen vor allzu aufdringlichen Besuchern geschützt hatten, sind verschwunden. Man vertraut auf die überall vorhandenen Hinweise und die Lautsprecherdurchsagen: „Bitte nicht berühren“

Bäume geben angenehmen Schatten. Ich genieße den Spaziergang, der uns vom Nordeingang zum Südausgang führt. Am nächsten an den Kaisern dran sind die steinernen Beamten und Generäle. Dann kommen die Tiere: Kamele, Elefanten und einige Fabeltiere. Jede Figur ist erklärt – in Englisch. Aber wir sind ja auch mit einem auskunftsfreudigen Deutsch sprechenden Reiseleiter unterwegs. Als wir das Ende des Weges mit seinem prächtigen alten Tor erreichen, wartet schon unser Fahrer auf uns.

Am späten Nachmittag passieren wir das Olympia-Stadium, das die Chinesen liebevoll das „Vogelnest“ nennen. Die Architektur mit ihren einzelnen Bahnen erinnert an das zarte Gewebe eines Nestes. Wir halten für einen Fotostopp. Auch hier finden wir jetzt die Pekinger, die ihren Feierabend genießen und mit ihrer Familie spazieren gehen. Einige Jungs machen ein wenig Straßenmusik, flott, modern.
Dann erreichen wir wieder unser Hotel. Wie um meinen Tag wirklich perfekt zu machen, haben wir genügend Zeit, uns frisch zu machen und auf eigene Entdeckungen zu gehen.

Wir verabschieden uns von Fahrer und Reiseleiter, die uns den ganzen Tag fürsorglich alle Fragen beantwortet und uns viele spannende Sehenswürdigkeiten gezeigt und erklärt haben.
Nach einer kurzen Pause stürzen wir uns ins Pekinger Leben mit Straßenimbissen, Supermärkten und kleinen Restaurants. Ein Bier noch bzw. ein Glas chinesischen Rotweins für meinen Begleiter, dann fallen wir müde aber zufrieden in unsere schönen Betten.

Für mich war das ein perfekter Tag in Peking auf einer organisierten China-Reise. Genug Programm, um keine Langeweile aufkommen zu lassen und um viel Neues zu erleben und zu entdecken. Und genügend Freiraum für eigene Unternehmungen.

Ulrike Hecker

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