Jenseits von Angkor Wat

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Zwischen Highlandern und Himmelsboten

Kambodscha hat sich zu einem perfekten Ziel für Rundreisen entwickelt, die mit vielen faszinierenden Geheimnissen und Abenteuern locken.  

Kaum jemand hatte bis dahin etwas von Rattanakiri gehört, doch im Januar 2007 geriet die kambodschanische Provinz überraschend mit ihrem „Dschungelkind“ in die internationalen Schlagzeilen: Aus den Tiefen der Wildnis war eine junge Frau aufgetaucht – unbekleidet und nicht in der Lage zu sprechen. Man fand heraus, dass es die Tochter eines örtlichen Polizisten sein muss, die neun Jahre zuvor als Achtjährige beim Hüten einer Rinderherde verschwunden war. Doch wie hatte sie so lange allein im Dschungel überleben können? Ein Rätsel, das bis heute nicht gelöst und nur eines von vielen aus diesem entlegenen Winkel Kambodschas ist…

Überhaupt verfügt dieses Land über außergewöhnliche und bisher weitgehend unbekannte Reize, weil es meist nur mit den legendären Tempelanlagen von Angkor in Verbindung gebracht wird. Sie gelten als Weltwunder und Wahrzeichen des Landes, stellen den mit Abstand größten Touristenmagneten des Landes dar und dominieren natürlich auch entsprechend die Prospekte der Reiseveranstalter. Doch wer das Land der Khmer abseits ausgetretener Touristenpfade erkundet, darf sich auf einen erlebnisreichen Urlaub freuen – gespickt mit allerlei Naturwundern, Spurensuche der Kolonialzeit oder eben auch herrlichen Stränden und Inseln, die im Gegensatz zu denen im benachbarten Thailand noch nicht überlaufen sind.

Jungesellen-Hütten und Totempfähle

Warum nicht mit der Erkundung jener geheimnisumwitterten Provinz Rattanakiri im äußersten Nordostzipfel des Landes beginnen? Ihre Hauptstadt bietet noch ein Höchstmaß an Authentizität und an der Peripherie auch gleich die erste große Attraktion – den kreisrunden See Boeng Yeak Lom: Mit glasklarem, türkisfarben schimmerndem Wasser gefüllt und von reichlich Dschungelgrün umwuchert, stellt er ein einzigartiges Naturphänomen dar – vermutlich entstanden vor 700.000 Jahren durch den Einschlag eines Meteoriten….

Mehrstündige, erlebnisreiche Trekkingtouren können tief in den Dschungel führen – zu verborgenen Urwaldriesen oder Wasserfällen und natürlich zu Siedlungen der über 20 ethnischen Minderheiten von Rattanakiri, die sich anhand ihrer Kleidung, Sprache und Riten facettenreich unterscheiden.   

Wie zum Beispiel die Kreung, bei denen Heiratswillige möglichst schwindelfrei sein sollten: Vor ihrer Hochzeit und Familiengründung müssen die jungen Männer dieses sagenumwobenen Volksstamms erst einmal eine Weile in eigens errichteten, separaten „Junggesellen-Hütten“ leben, die auf Stelzen bis zu acht Meter über dem Erdboden thronen. Ihre Götter verehren die „Highlander“ in Form von Bäumen, die Toten mithilfe von Totempfählen. Für das spirituelle Wohl der Gemeinschaft sind Priesterinnen zuständig, die sich um Zeremonien, Traumdeutungen und Kranke kümmern. Weitere Geheimnisse verbergen sich im Boden der Provinz, deren Name übersetzt „Edelsteingebirge“ bedeutet. Wie das Zirkon, das mithilfe von Minen in der Umgebung von Banglung ans Tageslicht befördert wird.   

Am schönsten Wasserfall Kambodschas

In der Nachbarprovinz Mondulkiri ist es zuweilen sogar möglich, Goldgräbern über die Schulter zu schauen. Eine holperige Piste führt zur großen Grube von Preah Mias, wo das Edelmetall mit einfachsten Mitteln aus der Erde gewühlt wird.

Die wichtigste Sehenswürdigkeit besteht jedoch im Naturphänomen Bou Sra, das als schönster Wasserfall Kambodschas aus bis zu 60 Metern Höhe über eine Terrasse in die Tiefe rauscht.

Ein beliebter Treffpunkt der Einheimischen, die hier nach Herzenslust picknicken, um sich davor oder danach in den herrlichen Fluten zu erfrischen… Auch einige Elefanten-Trecks machen hier halt – wie sich Mondulkiri überhaupt für eine Begegnung mit den Dickhäutern empfiehlt.

In den Dörfern Pulung und Putang lassen sich mehrtägige Touren auf dem Rücken von Elefanten arrangieren. Das von dem engagierten Briten Jack Highwood gegründete „Elephant Valley Project“ indes, ist ausschließlich Rehabilitation und Schutz der Tiere gewidmet. Hier werden die grauen Riesen artgerecht gehalten, während Besucher eine Menge über sie lernen und sich hier auch einquartieren können.

Andernorts führen idyllische Flusstouren mit ortsüblichen Holzbooten über den San, Sekong oder Srepok tief in den Regenwald, wobei eine Übernachtung auf einsamen Sandbänken nachhaltige Erlebnisse bescheren dürfte. Wer bis nach Kratie am Mekong gelangt, kann hier mit etwas Glück eine der letzten Populationen von Irrawady-Delfinen sichten. Die seltenen Säuger tummeln sich in einem außergewöhnlich reizvollen Flussabschnitt – besonders zur Regenzeit, wenn die Baumwipfel unzählig überschwemmter Inseln aus den Fluten ragen.  

Der Mekong als reizvoller Reiseweg

Überhaupt verspricht der Mekong in Kambodscha ein Höchstmaß an Spannung… Mit seinen melangefarbenen Fluten strömt er auf einer Länge von 500 Kilometern durch das Land – als Lebensader, Naturwunder und Mythos. Nach dem Ausbau vieler Nationalstraßen bietet sich der mächtigste Strom Südostasiens aber nur noch bedingt als Reiseweg an. Vor allem auf dem Abschnitt zwischen der Hauptstadt Phnom Penh und der Provinz Siem Reap, wo die legendären Tempelruinen locken. „Tonle Sap“ nennt sich dieser seeartige Flussarm, der als riesiges Regenrückhaltebecken fungiert. In der Monsunzeit kann er sich bis auf das Vierfache ausdehnen, während der Wasserstand zwischen zwei und zehn Metern pendelt.

Als größtes Gewässer Südostasiens liefert der Tonle Sap fast 80 Prozent des landesweiten gefangenen Süßwasser-Fischs. Wer tiefer in den amphibischen Alltag der hier lebenden Menschen eintauchen möchte, sollte Dörfer wie Kompong Phluk und Prek Toal oder die Stadt Kampong Chhnang besuchen. Dort kann man sich für ein geringes Entgelt durch Ansammlungen aus Pfahlhäusern, Wohnschiffen, schwimmenden Restaurants, Kirchen und Tankstellen rudern lassen.

Besonders stil- und stimmungsvoll lässt sich der Tonle Sap mit mehrtägigen Kreuzfahrten auf nostalgischen Flusskreuzern erkunden, wie sie teilweise bereits in Vietnam starten. Die Boutique-Schiffe verwöhnen ihre Passagiere mit geschmackvoll ausstaffierten Luxuskabinen und Sonnendecks, teilweise sogar auch mit Lounge-Bar, Spa oder Bibliothek. Eine ideale Einstimmung auf das historische Angkor Wat…   

Unterwegs im Reich der Ruinen

Was an Zeit für den Besuch der weltberühmten Tempelanlagen von Angkor Wat eingeplant werden sollte, ist eine Frage des Glaubens, Gewissens oder Gemüts. Die meisten Besucher entscheiden sich für zwei bis drei Tage, theoretisch jedoch könnten es sogar bis zu drei Wochen sein – sind es doch insgesamt über 1.000 Ruinenstätten, die sich hier über ein 200 Quadratkilometer weites Areal verteilen. Allein im Haupttempel Angkor Wat lässt sich ohne weiteres ein halber Tag verbringen. Einst erschaffen von König Suryavarman II bzw. zehntausenden Arbeitssklaven und Elefanten, gilt die fünftürmige Anlage als größter Sakralbau der Welt. Auf den umlaufenden Galerien und Reliefs faszinieren an die 2.000 Apsaras,
wie sie einst als Boten des Himmels für die Gottkönige getanzt haben – und heute in so mancher Ballettschule eine würdige Wiederauferstehung feiern…

Auch die mystische Wirkung des Bayon fordert ihren Tribut: Hier erheben sich 172 Anlitze in den Himmel – offensichtlich erhaben über die tropische Hitze und ihre vor Schweiß triefenden Bewunderer. Eine besonders fesselnde Wirkung entfalten die Schlingpflanzen in den Ruinen von Ta Prohm. Denn dieses Monument wurde weitestgehend so belassen, wie es der französische Südostasienforscher Henri Mohout um 1860 im Dschungel wiederentdeckt haben soll. Der 35 Meter hohe Buaphon-Tempel indes ist erst neueren Datums: Ursprünglich aus dem 11. Jahrhundert stammend, wurde das eindrucksvolle Bauwerk von Wissenschaftlern in vieljähriger, akribischer Arbeit rekonstruiert – als größtes 3-D-Puzzle der Welt mit über 300.000 Sandsteinblöcken und gänzlich ohne Mörtel.   

Der internationale Kinohit „Tomb Raider“ (Grabräuber), in dem die amerikanische Schauspielerin Angelina Jolie als Cyber-Heldin Lara Croft durch die altehrwürdigen Ruinen tobt, hatte Menschen in aller Welt neugierig auf den Originalschauplatz gemacht. Das beliebte Tempel-Trekking lässt den Tourismus so sehr boomen, dass bereits allerlei Schutzmaßnahmen für das historische Erbe der Khmer ergriffen werden mussten. Unterdessen erweitert sich Siem Reap – das einzige Tor zu den Sehenswürdigkeiten – ständig mit neuen Hotels und Restaurants, Geschäften und Serviceleistern. Mittlerweile soll die Provinz-Hauptstadt sogar größer sein als die bisher landesweit zweitgrößte Metropole Battambang. Wenn dieser Trend weiter anhält, könnten hier eines Tages mehr als eine Million Menschen leben – ganz, wie es einst schon in der Blütezeit des Khmer-Reichs einmal gewesen ist…  

Ungeahnte Badefreuden

Gibt es jemanden, dem es nach so viel Kultur nicht nach etwas Strand oder Insel gelüsten könnte? Auch diesbezüglich hat Kambodscha eine Menge zu bieten: Wer an einem der fünf Strände von Sihanoukville im tiefen Süden des Landes relaxt, kann es sich richtig gut gehen lassen – patrouilliert von fliegenden Händlern mit Meeresspezialitäten, Tropenfrüchten oder eisgekühltem Getränken.

Der Blick fällt auf üppig begrünte Inselchen, die sich verführerisch geformt wie Topfkuchen aus dem Meer erheben – und davon künden, was da noch so weiter draußen liegt: Eine paradiesische Inselwelt, die es bisher teilweise nicht einmal in die einschlägigen Traveller-Handbücher geschafft hat – mit einsamen, weiß glitzernden Sandstränden und bunt belebten Korallenriffen, idyllische Bungalowanlagen aus Bambus und jeder Hängematten-Romantik. Mittendrin ein ungeahntes und entsprechend teures Juwel: Das „Song Saa Private Island“ – ein erstes exklusives Hideaway-Resort, das sich über die mit einer romantischen Holzbrücke verbundene Doppelinsel Quen und Bong erstreckt und seine Gäste sogar per Wasserflugzeug einfliegen lassen kann…  

Begegnung mit Genuss und Genozid

Angesichts der vielen verlockenden Reisewege durch Kambodscha mag man geneigt sein, die Hauptstadt des Landes einfach auszusparen. Doch das wäre unfair – zumal sich die zwei Millionen Einwohner große Metropole in den vergangenen Jahren enorm gemausert hat. Besonders am Sisowath Quay, wo sich auf einer fast zwei Kilometer langen, üppig begrünten Fluss-Promenade das Lebensgefühl der Einheimischen widerspiegelt. Ringsherum zeugen ein chaotischer Straßenverkehr und erstaunlich viele Luxuskarossen vom Aufstieg sowie illustre Megaprojekte. Weil es der Gold Tower erst auf 31 von 42 Geschossen gebracht hat, dient vorerst der 109 Meter hohe Vattanac Tower als unübersehbares Symbol der Neuzeit.

Tagsüber sind die Besucher auf dem Touristenpfad unterwegs, um nach architektonischen Überbleibseln der französischen Kolonialzeit zu suchen, im sehenswerten Nationalmuseum aus den 1920-er Jahren und dem Königspalast mit der von 5.329 glitzernden Platten belegten Silberpagode vorbei zu schauen oder auf einem der vielen täglich veranstalteten Schnäppchen-Märkte. Spätestens zum Sonnenuntergang landen sie am liebsten im Rattan-Mobiliar des schon seit ewigen Zeiten etablierten F(oreign) C(orrespondent) C(lub), um zu relaxen und den Staub des Tages mit eisgekühltem Angkor-Bier vom Fass herunter zu spülen.   

Doch spätestens in Phnom Penh sollte man sich auch mit der grausamen Vergangenheit Kambodschas auseinandersetzen – besonders bei einer Visite im ehemaligen Folter-Gefängnis Tuol Sleng (S-21) oder dem 15 Kilometer südlich der Stadt liegenden Killing Field von Choeng Ek, das ebenfalls vom Völkermord der Pol Pot-Epoche Mitte der 1970-er Jahren kündet. Wer etwas für die Überlebenden und ihre Nachkommen tun möchte, kann das nichtzuletzt auf sehr angenehme Weise tun: Durch einen Einkauf in einer der zahlreichen Fair-Trade-Geschäfte zum Beispiel, deren Erlöse weitgehend an Hilfsbedürftige fließen – zudem mit der Einkehr in einem der zahlreichen, guten Restaurants wie dem „Friends Creative Tapas“, „Romdeng“ oder „Cafè Yejj“, wo die Ausbildung und Existenzsicherung von Waisen oder ehemaligen Straßenkindern zum Erfolgskonzept gehört… 

Von Volker Klinkmüller

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