China Tours

Eisfestival in Harbin

Ich dachte mir, wenn ich den Winter schon in Peking verbringe, kann ich auch ins kalte Harbin fahren und mir das berühmte Eisfestival anschauen.

Es ging mit dem Nachtzug in die rund zehn Stunden entfernte Hauptstadt der chinesischen Provinz Heilongjiang. Ich war vorgewarnt worden über das Wetter der Stadt. Harbin wird nicht umsonst die Eisstadt genannt. Immerhin können die Temperaturen hier nachts auf Minus 40° C sinken. Daher hatte ich mich in mehrere Lagen Kleidung gehüllt und auch eine japanische Wunderwaffe dabei: Kleine Pads, die sich beim Knicken erwärmen.

Am nächsten Tag erreichten wir also in aller Frühe Harbin. Wohlausgeschlafen und in voller Vorfreude auf diese Eisstadt betrat ich den Bahnhofsvorplatz und musste erst einmal laut husten. Es war so kalt, dass man sich erstmal an die kalte Atemluft gewöhnen musste. Unglaublich. Dick eingepackt, in meine zwei Schals mit Mütze und Ohrenwärmern und Kapuze darüber, waren nur noch meine Augen frei.

Durch ein großes Frühstück gestärkt, besuchten wir die Sankt-Sophia-Kathedrale in Harbin mit dem Reisebus. Da wir einen engen Zeitrahmen hatten, blieb nur wenig Zeit für ausschweifende Begutachtungen der Kirche und wir begnügten uns mit ein paar Fotos von der Kirche. Dabei hätte ich mich gerne im Kirchengebäude ein bisschen aufgewärmt. Die russisch-orthodoxe Kathedrale wurde im Jahr 1907 erbaut und ist heute ein Architekturmuseum. Meine Füße wurden langsam eisig, deswegen war ich froh wieder im beheizten Reisebus zu sitzen.

Als nächstes besichtigten wir den komplett zugefrorenen Fluss Songhua und gönnten uns einen Spaziergang entlang des Flusses. Da der Fluss zugefroren war, wurde er in eine Schneemobil-Abenteuer-Welt umfunktioniert. Die unbeweglichen Boote am Ufersteg konnten da nur traurig zuschauen. Dass es uns noch vergleichsweise gut ging, merkte ich, als wir den nächsten Programmpunkt erreichten: eine Eiswasser-Schwimmshow im Fluss. Ich schaute zu wie ca. zehn ältere Chinesen und Chinesinnen wagemutig vom Sprungturm in das eisige Wasserbecken stürzten. Puh. Wie wahrscheinlich viele der Besucher war auch ich froh, auf der anderen Seite, dick eingehüllt in Strumpfhosen und Pullis zu stehen. Aber die Schwimmer hatten sichtlich Spaß und witzelten herum.

Nach einem ausführlichen Mittagessen bei dem ich mich auch aufwärmen konnte, besuchten wir Sun Island. Der Name scheint nicht Programm zu sein, denn es boten sich uns riesige Schneelandschaft mit eindrucksvollen Schneeskulpturen, wo das Auge hinschaute. Mein Tipp: Mit kleinen Bussen kann man durch das ganze Areal fahren, aber zu Fuß werden einem die Dimensionen der Schneebauten erst richtig bewusst. Bis zu mehrere Meter hoch reicht die Mehrzahl der Skulpturen. Oft werden berühmten Werken, wie zum Beispiel das Gemälde der Mona Lisa, sehr filigran nachgeeifert.

Das Wetter hätte nicht schöner sein können und so standen schneeweiße Skulpturen vor strahlend blauen Himmel und Sonnenschein. Meine Fotokamera schwächelte derweil ein wenig. Obwohl das Wetter perfekt war, gefroren die durch die eisigen Temperaturen die Batterien. Da meine Finger mittlerweile auch ziemlich eingefroren waren, ging es erst einmal in das nächste Kaffeehäuschen, damit ich wieder zu Kräften kommen und auch meine Finger wieder auftauen konnte. Ich war in meinem Leben noch nie so glücklich über einen laschen Pulverkaffee – hauptsache warm! Wie man auch sehr gut mit Einheimischen ins Gespräch kommt: Mit einer chinesischen Frau teilte ich mir den Platz an der Elektroheizung.

Kurz vor dem Abendessen kam dann der Höhepunkt der Reise: Die Harbin Eis- und Schneewelt. Jeder der schon einmal Disneyland besucht hat, hat eine ungefähre Ahnung, wie das ganze nun komplett in Eis gehüllt aussehen würde. Eine der vier größten Eis- und Schneefestivals der Welt. Schon das Eingangstor versetzte mich in Staunen. Eine riesige Burg in Szene gesetzt mit bunten Lichtern.

Der Begriff Welt ist übrigens keine Übertreibung, stundenlang kann man durch die meterhohen Eisskulpturen spazieren und hat doch noch nicht alles gesehen. Ein spektakulärer Anblick! Wer möchte, kann sich hier stilecht in einer Kutsche durch die Eiswelt ziehen lassen. Viele Eisbauten sind berühmten Gebäuden nachempfunden, man erkennt aber auch bekannte Trickfilmfiguren wie Winnie Pooh oder die Hauptfiguren aus Toy Story.

Am zweiten Tag war perfektes Sonnenwetter. Das passte super zu einem Tag im Schnee. Da ich bereits genug Fotos von Schneeskulpturen gesammelt hatte, ging es mit Freunden zu einer Skipiste. Ich hatte mich zu entscheiden: Skifahren oder Reifenrutschen? Ich wählte die günstigere und vielleicht auch lustigere Alternative: Einmal wieder Kind sein und warf mich mit meinen Freunden auf dem rutschigen Reifen in die Schneebahn.

Nach einem leckeren, chinesischen Mittagessen fuhren wir in die Stadt zu einem russischen Geschäft mit traditionellen Souvenirs und Produkten. Hier waren vor allem die Matroschka-Puppen beeindruckend. Der letzte Abend in Harbin hatte dann noch eine Erkundung der Innenstadt mit seiner weiten Einkaufsstraße, der Center Street, auf dem Programm.

Die Harbiner Eisskulpturen sind nicht nur in der Eiswelt zu bewundern, sondern an vielen Stellen in der ganzen Stadt Harbin. Die Architektur der Center Street ist wirklich außergewöhnlich und gar nicht mal so chinesisch. Ein Mix aus verschiedenen Architekturstilen ist hier zu sehen. Dieser letzte Spaziergang bedeutet leider schon das Ende der Reise. Zurück nach Peking reisten wir wieder mit dem Nachtzug.

Harbins Eis- und Schneewelt haben mich sehr beeindruckt und ich möchte auf jeden Fall erneut dorthin reisen, um mir alles genauer anschauen zu können. Allerdings bringe ich dann noch mehr Zeit und vor allem noch mehr Lagen Kleidung mit!

Von Rebekka Cordes

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