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Den Kaukasus erleben

Unterwegs in Georgien

Am äußersten Rand Europas gelegen, angrenzend an den Kaukasus und das Schwarze Meer, findet sich Georgien. Ein Land mit atemberaubenden Landschaften und Jahrtausende alten kulturellen Wurzeln. Unerwartet vielfältig präsentieren sich die verschiedenen Regionen ihren Besuchern. Von der im Aufbruch befindlichen Metropole Tiflis, über postsowjetische Trabantenstädte, bis hin zu historischen Dörfern: wer Abwechslung sucht, der wird hier in Georgien fündig.

Ein Land mit wechselvoller Geschichte

Georgien war nach Armenien das zweite Land, dessen Herrscher im 4. Jahrhundert das Christentum als Staatsreligion annahmen. Das christlich-orthodoxe Land im Kaukasus blickt seit jeher auf eine wechselvolle Geschichte. In der Neuzeit gewann Georgien mit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 seine Unabhängigkeit. Doch auch die jüngste Geschichte ist von Spannungen gekennzeichnet, die im August 2008 in einer militärischen Auseinandersetzung mit Russland gipfelten und zur nicht anerkannten Abspaltung der Landesteile Abchasien und Südossetien führten.

Dennoch ist der Wille groß, das Land politisch und wirtschaftlich zu stabilisieren. Zu Zeiten der Sowjetunion galt Georgien als eine der blühendsten und reichsten Regionen der UdSSR und als ein Zentrum des Tourismus. Daran möchte man hier gerne anknüpfen. Mit Recht, denn die Gastfreundschaft der Georgier ist fantastisch, das Land reich an beeindruckender Kultur und leckeren Köstlichkeiten.

Tiflis erkunden

Der internationale Flughafen Tiflis ist nur wenige Stunden von deutschen Airports entfernt. Per Direktflug oder mit kurzem Zwischenstopp in einer anderen osteuropäischen Metropole kommt man zudem bei rechtzeitiger Buchung für kleines Geld in den Kaukasus. Am Zielort angekommen, ist man mit dem Taxi in weniger als einer halben Stunde im Zentrum der Hauptstadt.

Ohnehin: wer in Tiflis vorankommen möchte, der nimmt ein Taxi. Zwar lassen sich auch einige Strecken gut zu Fuß bewältigen, doch gerade, wenn der Fluss Kura überquert werden soll, ist das Taxi doch die sicherere Wahl. Aber eins darf man nicht verachten: wer in Georgien Auto fährt, braucht starke Nerven, egal ob Fahrer oder Beifahrer.

Ein paar Strecken lassen sich dennoch auch auf anderem Weg zurücklegen. Die Standseilbahn Tbilisi Funicular, eröffnet 1905, auf den Berg Mtatsminda mit seinem kleinen Vergnügungspark ist beispielsweise eine Fahrt wert. Hoch oben über den Dächern der Hauptstadt erhält man aus dem Riesenrad eine ganz besondere Perspektive. Aber auch eine Fahrt mit der Seilbahn vom Rike-Park bis hoch zur Nariqala-Festung, der wichtigsten mittelalterlichen Burg Georgiens, lohnt sich. Seit 2012 gelangt man so schwebend zu den Ruinen aus dem 3. Jahrhundert, sowie zur „Mutter Georgiens“, der beeindruckenden Monumentalstatue Kartlis Deda. Auch von hier eröffnen sich Tag und Nacht beeindruckende Ausblicke über Tiflis.

Egal mit welchem Transportmittel, wer die Georgische Hauptstadt erkundet, wird viele bauliche Zeitzeugen der Geschichte finden. Mittelalterliche Kirchen, eine historische Altstadt, einige Überbleibsel der Sowjet-Zeit bis hin zu zeitgenössischen Bauten aus Glas und Stahl: in Tiflis werden Epochen erlebbar. Eine Vielzahl von traditionellen und modernen Restaurants bieten eine abwechslungsreiche Küche, die Geschäfte lassen keine Wünsche offen.

Die Wiege des Weins

Wer sich bei einem Besuch Georgiens jedoch nur auf Tiflis beschränkt, der verpasst viel. Nur unweit der Hauptstadt liegt beispielsweise das Weingut Château Mukhrani. Wein in Georgien? Und ob! Das Land galt schon zu kommunistischen Zeiten als Weinkeller der Sowjetunion. Weinexperten gehen sogar davon aus, dass Georgien eines der Ursprungsländer des Weinanbaus ist. Die klimatischen und geologischen Bedingungen sind ideal und so werden hier im Kaukasus seit Jahrtausenden Reben gezüchtet.

Auch nach dem Zusammenbruch der UdSSR blieb Wein ein wichtiges Exportgut Georgiens, mit Russland als Hauptabnehmer. Seit dem russischen Embargo in 2008 sucht das Land nach neuen Absatzmärkten, auch in Westeuropa.

Über die Autobahn in knapp vierzig Minuten zu erreichen, findet sich im Nordwesten von Tiflis ein wahres Kleinod: das Weingut Château Mukhrani. Ein kleines Schloss mit beeindruckendem Kellergewölbe, erreichtet ab 1873, umgeben von einer Parklandschaft im französischen Stil. Das ist der Mittelpunkt des mehrere Hektar großen Weinguts. Seit 2007 wird hier nach modernsten Standards hochwertiger Wein hergestellt, der durchaus mit anderen europäischen Spitzenweinen mithalten kann.

Und auch sonst kann das Land in punkto Sehenswürdigkeiten locker mit anderen Ländern mithalten! Georgien ist per Mietwagen, aber auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erkunden. Für die letztere Variante sollte man jedoch ausreichend Zeit und viel Geduld mitbringen.

Mzcheta: Die antike Hauptstadt

Nur wenige Kilometer nördlich von Tiflis liegt Mzcheta. Sie ist die antike Hauptstadt Georgiens beziehungsweise des ehemaligen iberischen Reichs und liegt direkt an der Seidenstraße. Viele der Sehenswürdigkeiten hier zählen zum UNESCO-Kulturerbe.

Die mittelalterliche Swetizchowli-Kathedrale aus dem 11. Jahrhundert ist ein ganz besonderer Höhepunkt. Man hat das Gefühl eine Mischung aus Kirche und Wehranlage zu besichtigen und genau das ist es auch. Während im Inneren wunderschöne Fresken und Reliefs biblischen Personen huldigen, umgibt die Kathedrale eine fünf Meter hohe Stein- und Backsteinmauer, deren oberstes Stockwerk, ausgestattet mit Zinne und Wehrgang, militärischen Verteidigungszwecken diente.

Uplisziche: Das älteste Siedlungsgebiet

Georgien ist eines der ältesten Siedlungsgebiete der Menschheit. Um sich davon selbst zu überzeugen, besucht man am besten die Höhlenstadt Uplisziche. Sie ist der älteste bewohnte Ort Georgiens. Der zentrale Höhlenkomplex wurde vermutlich schon im 16. bis 15. Jahrhundert v.Chr. als Wohnstätte benutzt. Ein wahrlich beeindruckender Ort!

Die vielen, vielen Jahrhunderte haben natürlich ihre Spuren hinterlassen. Zerstörungen, Erdbeben, Plünderungen und natürlicher Verfall sind der Höhlenstadt deutlich anzusehen. Das Areal, das man heute besichtigen kann und das seit 1957 von Archäologen freigelegt wurde, ist die Innere Stadt; ein Bruchteil der eigentlichen Ausmaße des Siedlungsgebiets. Dennoch gewinnt man einen guten Eindruck von dieser stummen Zeugin der Vergangenheit, die mehr als 3.000 Jahre Menschheitsgeschichte erlebt hat.

Gori: Stalins Geburtsort

Nur wenige Kilometer entfernt liegt Gori. Gori ist der Geburtsort des Diktators Josef Stalins. Seit 1952 stand hier mitten im Zentrum vor dem Rathaus eine 17 Meter hohe Stalin-Statue. Der georgische Präsident Saakaschwili ließ sie 2010 abreißen. Seitdem ist sie eingelagert, manche Stimmen plädieren allerdings für ihre erneute Aufstellung, diesmal in der Gartenanlage des Stalin-Museums.

Im Inneren des Museums werden die verschiedenen Lebensstationen Stalins anhand von Artfakten und Dokumenten vorgestellt. Der fade Beigeschmack allerdings: hier wird das Bild eines mächtigen und außergewöhnlichen Georgiers gezeichnet, seine Verbrechen und die Schattenseiten des Stalinismus finden allerdings kaum Erwähnung.

Sataplia: Saurierspuren und Tropfsteinhöhlen

Der Naturpark von Sataplia liegt auf dem gleichnamigen Berg, einem erloschenen Vulkan, im Westen Georgiens. Vor Millionen von Jahren handelte es sich bei diesem Berg noch um eine Meeresbucht und zu dieser Urzeit lebten hier Dinosaurier. Einige ihrer Abdrücke kann man heute noch besichtigen. Deshalb kennzeichnen viele Schilder den Naturpark auch als „Jurassic Park“.

Eine andere große Attraktion des Naturschutzgebietes Sataplia sind die beeindruckenden Tropfsteinhöhlen. Hier kann man riesige Stalagmiten und Stalaktiten bewundern. Das Herzstück – im wahrsten Sinne des Wortes – ist aber der sogenannte Herzsaal, in dem ein riesiger Stein in Form eines Herzens thront. Man schätzt er sei 30 Millionen Jahre alt.

Kutaissi: Eine Stadt umringt von Klöstern

Kutaissi ist die zweitgrößte Stadt Georgiens und seit 2012 Sitz des georgischen Parlaments. Das mittelalterliche Stadtbild und die UNESCO-Weltkulturerbe-Kathedrale zählen neben dem neuerrichteten außergewöhnlichen Parlamentsgebäude zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Beeindruckend sich auch die vielen Kirchen und Klöster rund um Kutaissi.

Das Motsameta Kloster, ein beliebter Pilgerort, liegt wunderschön an einem steilen Hang. Der Name bedeutet „Kloster der Märtyrer“ und zu dem Klosterensemble zählen unter anderem eine Kapelle und ein Glockenturm. Die hier ruhenden Heiligenreliquien sollen Wunder bewirken, man muss dafür aber durch einen schmalen Gang kriechen.

Ein anderes großartiges Kloster ist das Gelati Kloster, eines der bedeutendsten Werke georgischer Baukunst und ebenfalls UNESCO-Weltkulturerbe. Besonders die mächtige Kuppelkirche mit Mosaiken und Fresken aus der Zeit der Kreuzzüge ist sehenswert.

Etwas abenteuerlich ist dann in der Tat die Zugfahrt von Kutaissi zurück in die Hauptstadt – sechs Stunden brauchte der Zug für die rund 240 Kilometer.

Georgische Küche und Geselligkeit

In guter Erinnerung behält jeder Besucher sicherlich die reichhaltige georgische Küche. Abend für Abend laden die umfangreichen Speisekarten der Restaurants des Landes dazu ein, die verschiedenen kulinarischen Köstlichkeiten zu probieren. Ist man mit mehreren Personen unterwegs, so ist es ein guter georgischer Brauch, während des Essens abwechselnd längere Trinksprüche auf die wesentlichen Dinge des Lebens, wie Freiheit, Familie, Gesundheit und Tradition, zu halten. Dabei inspiriert sicherlich auch der teilweise fantastische georgische Wein.

Kurzum: wer ein durch und durch europäisch geprägtes Land im Aufbruch erleben möchte, wer die Abwechslung sucht, und dennoch entschleunigen möchte, der wird sich in Georgien wohl fühlen. Das Land ist eine Reise wert!