Blau machen in Usbekistan

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Das Land der blauen Keramiken und Mosaike

Haben Länder Lieblingsfarben? Wenn dem so wäre, müsste Usbekistan wohl nicht lange überlegen, denn hier ist eine Farbe überall dominant: Blau. Azurblau, türkisblau, saphirblau, kobaltblau, cölinblau, indigoblau, aquamarinblau und und und. Die unzähligen Blauschattierungen finden sich im Handwerk, in der Architektur und auch sonst überall wieder. Besonders berühmt und wahrlich schön aber sind die blauen Keramiken und die blauen Mosaike Usbekistans.

Die blauen Keramiken aus Rishtan

Rishtan ist eine Stadt im Ferghanatal im Osten Usbekistans. Nur wenige Kilometer entfernt liegt die Grenze zu Kirgisistan. Hier in Rishtan wachsen Melonen, Granatäpfel und Weintrauben in Hülle und Fülle. Hier leben rund 100.000 Menschen und hier sind etwa ein Zehntel davon Töpfer. Sie stellen aufwendige und wunderschöne Keramiken her, die dank ihrer intensiven Farben und detailreichen Verzierungen bis über die Landesgrenzen hinaus bekannt sind.

Die Herstellung von Keramiken ist eine der ältesten Handwerkskünste Usbekistans. Das Wissen und die spezielle Fertigkeit werden seit vielen Jahrhunderten von Generation zu Generation weitergegeben und immer ein wenig mehr perfektioniert. Viele Töpfereien liegen in den Hinterhöfen einfacher Wohnhäuser, neben Apfelbäumen und wilden Gärten. Für ganze Familien sind diese kleinen Räume und das Kunsthandwerk, das sie beherbergen, wichtige und oft einzige Einnahmequelle.

Als Besucher der Region Rishtan kann man viele der Hinterhoftöpfereien besuchen und den Herstellungsprozess der Keramiken mit eigenen Augen miterleben. Mit etwas Glück öffnet eine besonders gastfreundliche Töpferfamilie ihre Türen und reicht Tee, Brot und frisches Obst während man einen Blick hinter die Kulissen wirft.

Frischer und stets lokaler Lehm wird für die berühmten Keramiken geformt, getrocknet und gebrannt. Besonders beeindruckend aber ist vor allem das Glasieren der fertigen Produkte. Die farbintensive blaue Glasur, die hier in der Gegend seit dem 10 Jahrhundert zur Verzierung von Keramiken verwendet wird, nennt sich „Ishkor“. Sie wird aus einer Wüstenpflanze hergestellt, die zu Asche verbrannt und anschließend mit pulverisiertem Quarz vermischt wird. Damit werden in mühevoller Handarbeit filigrane Muster wie geometrische Formen, Pflanzen- oder Tiermotive etc. aufgetragen.

Die blauen Mosaike von Samarkand

Fast noch ein wenig beeindruckender als die unzähligen blauen Keramikschalen in Rishtan sind die blauen Mosaike, die viele imposante Gebäude in Usbekistan zieren. So zum Beispiel in Samarkand, der Stadt, die einst blühendes Zentrum an der legendären Seidenstraße war. Samarkand ist ein Muss für jeden Besucher Usbekistans und auch heute noch ein Traum aus Tausend und einer Nacht samt geheimnisvoller Atmosphäre, duftenden Basaren und einigen der größten Zeugnisse islamischer Architektur.

Die Bibi-Khanum-Moschee war nach ihrer Fertigstellung im 15. Jahrhundert eine der größten und erhabensten Moscheen der östlichen Welt. Im Laufe der Jahrhunderte setzten Erbeben und natürlicher Verfall der Anlage bedauerlicherweise stark zu. Inzwischen wurde die beeindruckende Anlage, deren Ausmaße auch für heutige Verhältnisse noch enorm sind, restauriert. Steinarbeiten, Marmor, Stuck und Wandmalereien erstrahlen an vielen Stellen in neuem Glanz. Am stärksten aber strahlen die kleinen, glasierten Keramiksteinchen, die zu wunderschönen Mosaiken in den unterschiedlichsten Blauschattierungen zusammengefügt wurden. So wie beim 40 Meter hohen Kuppelbau, der den Besuchern der Moschee schon von weiten in kräftigem Türkis entgegen leuchtet. Die mühevolle und liebevolle Handarbeit, die in die Gestaltung und Anbringung eingeflossen sein muss ist unbeschreiblich!

Das lässt sich ebenso über die Mosaiken der Shohizinda Nekropole sagen, der vielleicht beeindruckendsten Sehenswürdigkeit Samarkands. Das Ensemble befindet sich auf einem Hügel am Rande der Altstadt Samarkands. Hier wurden einst die Adligen des muslimischen Herrscherhauses der Timuriden bestattet. Die Nekropole wurde über die Jahrhunderte hinweg immer weiter ausgebaut und besteht heute aus mehr als 20 Gebäuden. Jedes einzelne Gebäude ist ein Meisterwerk islamischer Architektur. Wenn man die Stufen der Nekropole hinaufsteigt und ihre schmalen und überraschend kühlen Gassen betritt, glaubt man eine Art Zeitreise zu machen. Und wirklich überall bleibt man vor aufwendigen Mosaiken stehen, die die Ehrwürdigkeit dieses Ortes kunstvoll unterstreichen.

Die kunstvollen Brote Usbekistans

Abschließend kann man festhalten, dass in Usbekistan vieles blau aber einfach alles kunstvoll ist. Sogar Brot. Das traditionelle usbekische Fladenbrot wird in einem Tonofen gebacken und bekommt dadurch einen holzig-rauchigen Geschmack. So ein Ofen steht in den Altstädten vor jedem Haus und man kann davor die Frauen beobachten, die mit flinken Händen die Fladen formen, in den Ofen geben und nach wenigen Minuten fertig herausholen. Das allein ist für viele vielleicht schon eine Kunst für sich. Für die wirkliche, wörtliche Kunst aber sind die typisch usbekischen Brotstempel verantwortlich. Mit ihnen drücken die Frauen kunstvolle Muster in die Fladenbrote, die – wenn fertig gebacken und ausgekühlt – in gewisser Weise an verzierte Rishtaner Keramikteller erinnern.

Usbekistan ist in jeder Hinsicht ein besonderes Land, das sich über seine lange Kunsthandwerkstradition definiert und darauf auch sehr stolz sein darf, denn die Ergebnisse – ob Keramikschale, Monumentalmosaik oder einfach nur ein Laib Brot – können sich sehen lassen!